Büro für architektonische Schnittstellen

Bozner Platz

Vom Behälter zum Geflecht, Innsbruck

Planungszeitraum 07-10/2020
Mitarbeit: Dr. Nikolaus Hellmayr

Der Bozner Platz bildet eine wichtige Schnittstelle zwischen Bahnhof und Innsbrucker Altstadt. Hier kreuzt sich die Achse der Wilhelm-Greil-Straße zwischen Landhausplatz und Ferdinandeum mit der Achse Brixner Straße/Meraner Straße als Verbindung zur Maria-Theresien-Straße.

Der Platz ist stark frequentiert, wird jedoch aufgrund seiner monokausalen Ausrichtung auf den motorisierten Verkehr seiner Funktion nicht gerecht. So, wie der Platz sich gegenwärtig darstellt, ist er von den Straßen an den Rändern der Platzfläche her definiert. Er erweist sich als Behälter, primär für Fahrzeuge, die sich um das isolierte Platzzentrum, den Rudolfsbrunnen, herum bewegen.

Um dem Bozner Platz jene strukturelle Offenheit wiederzugeben, die ihn zu einem komplex nutzbaren, vieldeutigen Lebensraum macht, wird eine Umstülpung der räumlichen Strukturen vorgenommen. Mit dieser einfachen Maßnahme werden die Achsen des Platzes gekreuzt, der Brunnen wird Teil der Struktur und als historisches Element der Anlage aufgewertet.

Bezeichnen wir den Rudolfsbrunnen als logisches Zentrum des Platzes, dann resultiert daraus die Entwicklung der wesentlichen Bewegungsrichtungen über das Element des Wassers.

Der Brunnen bleibt nicht länger lebloses Monument und Zeichen einer vergangenen historischen Epoche, sondern wird eingebunden in die Struktur der Platzfläche. Wasser darf sich ausbreiten, Begegnungs- und Erlebnisbereiche markieren. Das Motiv des Verwebens der Elemente wird weiterentwickelt, indem Wasser den Stein durchdringt und den Platz durchquert.

Formal löst sich das Wasser aus der Schale des historischen Brunnens und breitet sich entlang der Achsen in Form flacher Rinnsale, weiterer Brunnenschalen, technischer Elemente der Platzentwässerung und der Bewässerung der Grünflächen aus.
Wasser als bestimmendes Strukturelement soll auch die Schnittstellen an den angrenzenden Straßen markieren. Daher kann es beispielsweise im Randbereich der RAIQA-Passage in Abstimmung mit Pichler & Traupmann ein Element des Wassers als transitorisches Element des Bozner Platzes geben.

Wasser wird als bewegliches, aber kontrollierbares Gestaltungselement eingesetzt. Die Beschickung der Wasserflächen erfolgt über die das Oberflächenwasser sammelnden Zisternen. Es kann bei Bedarf partiell oder zur Gänze abgeschaltet und die betreffenden Flächen trocken gelegt werden.

Die Grünflächen des Bozner Platzes wirken als Applikation und dekorative Beigabe zum Monument des Rudolfsbrunnens. Historische Darstellungen des Platzes zeigen die Grünflächen eingezäunt, sie bleiben aber auch nach Entfernen der Zäune das, was sie sind: Abstandsgrün.

Denkt man das Grün nicht als isolierte Applikation, sondern als Teil der Struktur des Platzes, so kann ein organischer Prozess eingeleitet und in das Gewebe des Platzraums implementiert werden: Wachsen, Verflechten, Verfilzen, Speichern …
Das Grünkonzept folgt einer geometrisch-organischen Logik. Die axiale Geometrie des Platzes wird pflanzlich durchdrungen, gleichzeitig gestärkt und in ein mehrdeutiges Gebilde umgeformt.

Primär sind es hochstämmige Bäume (Robinien), die entlang der Achsen beschattete Aufenthaltsbereiche ermöglichen. Die Baumscheiben werden 30 cm gegenüber der Platzfläche in flach abfallenden Mulden abgesenkt, die introvertiert wirkende Ruhezonen mit steinernen Bänken und tangierenden Wasserläufen bilden. Davon ausgehend entwickeln sich robuste, begehbare Grünflächen, die auf die Platzfläche ausgreifen und von Wegen durchschnitten werden, ausgeführt als wassergebundene Oberflächen und chromatisch an die anschließenden Grünflächen angepasst.

Das Spiel der Elemente formt den Platz als Hybrid unterschiedlicher Aggregatszustände: der harte Stein, das weiche Gras, das fließende Wasser.

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